
Warum Entspannung manchmal gar nicht entspannend ist...
Du hast endlich Feierabend.
Die Kinder sind versorgt.
Die Arbeit ist vorbei.
Niemand braucht gerade etwas.
Du legst dich aufs Sofa und denkst:
„So. Jetzt entspanne ich.“
Und dann passiert …
nichts.
Oder besser gesagt: In deinem Kopf passiert alles.
Was muss ich morgen erledigen?
Habe ich die Mail beantwortet?
Was koche ich morgen?
Warum hat mein Mann eigentlich schon wieder …?
Und plötzlich merkst du:
Ich bin zwar auf dem Sofa. Aber ich bin noch lange nicht zur Ruhe gekommen.
Entspannung kann man nicht einfach befehlen
Das ist etwas, was ich unglaublich wichtig finde.
Nur weil du dich hinlegst, bedeutet das nicht automatisch, dass dein Körper sofort auf Entspannung umschaltet.
Wenn dein Tag aus Terminen, Entscheidungen, Verantwortung und „Mama, Mama, Mama“ bestanden hat, kann es einen Moment dauern, bis dein Körper überhaupt merkt:
Ah. Wir müssen gerade nichts erledigen.
Deshalb kann sich selbst eine eigentlich entspannende Übung manchmal erstmal komisch anfühlen.
Du liegst still.
Und plötzlich bemerkst du alles.
Den verspannten Kiefer.
Die Schultern.
Den Druck im Bauch.
Die Gedanken.
Die Müdigkeit.
Vielleicht sogar Gefühle, für die tagsüber gar kein Platz war.
Das bedeutet nicht, dass die Übung nicht funktioniert
Manchmal denken wir:
„Ich kann nicht entspannen.“
Dabei spüren wir vielleicht zum ersten Mal, wie angespannt wir eigentlich sind.
Das kann ungewohnt sein.
Und es bedeutet nicht automatisch, dass du etwas falsch machst.
Du musst allerdings auch nicht jede unangenehme Empfindung einfach aushalten.
Wenn etwas zu viel wird, darfst du die Übung verändern, die Augen öffnen, dich bewegen oder aufhören.
Somatische Praxis bedeutet für mich nicht:
„Bleib da, auch wenn es dir schlecht damit geht.“
Sondern:
„Nimm wahr, was gerade da ist, und finde heraus, was du jetzt brauchst.“
Deshalb beginnt Entspannung oft mit Wahrnehmung
Bevor du versuchst, dich zu entspannen, probier einmal etwas anderes.
Setz dich hin.
Schau dich langsam im Raum um.
Nimm wahr, was du siehst.
Spüre deine Füße.
Vielleicht bewegst du deine Zehen ein wenig.
Dann spüre deinen Atem, ohne ihn verändern zu müssen.
Und frage dich:
Wie geht es mir gerade?
Nicht:
„Wie bekomme ich das jetzt schnell weg?“
Sondern:
„Was ist gerade da?“
Vielleicht ist Müdigkeit da.
Vielleicht Unruhe.
Vielleicht Anspannung.
Vielleicht sogar Wut.
Du musst daraus nicht sofort eine Lösung machen.
Erst einmal wahrnehmen.
Kleine Pausen können dabei wichtiger sein als große Entspannung
Wenn du den ganzen Tag auf 180 bist und abends plötzlich eine Stunde meditieren möchtest, kann der Übergang ziemlich schwierig sein.
Vielleicht sind mehrere kleine Inseln im Alltag hilfreicher.
Zwei Minuten im Auto.
Drei bewusste Atemzüge, bevor du die Haustür aufschließt.
Eine kurze Bewegungspause zwischen zwei Aufgaben.
Fünf Minuten Yoga.
Ein Moment auf dem Sofa, bevor das Handy in die Hand wandert.
Nicht spektakulär.
Aber machbar.
Und genau darum geht es im Körperkompass
Im Körperkompass geht es darum, wieder einen besseren Zugang zu deinem eigenen Körper zu bekommen.
Nicht nur dann, wenn alles schon komplett eskaliert.
Sondern früher.
Wenn du merkst:
„Meine Schultern werden gerade hart.“
„Ich bin plötzlich total gereizt.“
„Ich werde unruhig.“
„Ich brauche gerade eine Pause.“
Denn je besser du deine eigenen Signale kennenlernst, desto leichter kann es werden, überhaupt zu bemerken, was du brauchst.
Hier geht es zum Körperkompass
Vielleicht musst du also nicht lernen, dich besser zu entspannen.
Vielleicht darfst du zuerst wieder lernen, dich selbst zu spüren.
Und manchmal ist genau das der Anfang von echter Entspannung.
