
Samhain: Warum Halloween mehr ist als Kostüme, Süßigkeiten und Gruselgeschichten
Was darf gehen, wenn die Tage kürzer werden? Und wann hast du dir zuletzt bewusst Zeit genommen, um auf das zu schauen, was du hinter dir lassen möchtest?
Ende Oktober wird es bei uns wieder gruselig.
Kinder überlegen, als was sie sich verkleiden. Kürbisse werden geschnitzt, Süßigkeiten gekauft und die ersten kleinen Geister ziehen von Haus zu Haus und rufen: „Süßes oder Saures!“
Ich mag diese Zeit. Gerade mit Kindern darf sie bunt, lustig und ein bisschen verrückt sein.
Aber hinter Halloween steckt noch eine andere Geschichte. Eine, die mich persönlich viel mehr beschäftigt als die Frage, welches Kostüm dieses Jahr das coolste ist.
Sie führt uns zu Samhain – einem alten keltischen Jahreszeitenfest, das traditionell den Übergang vom Ende der Erntezeit in die dunkle Jahreshälfte markiert.
Und plötzlich geht es nicht mehr nur um Kürbisse und Gruselgeschichten.
Sondern um Übergänge. Um Abschied. Um Erinnerungen. Und um die Frage, was wir mitnehmen möchten, wenn ein neuer Abschnitt beginnt.
Samhain: Wenn die Natur sich zurückzieht
Die Tage werden kürzer. Die Temperaturen sinken. Die Bäume verlieren ihre Blätter, und draußen wird es stiller.
Die Natur verändert ihren Rhythmus.
Während wir im Sommer oft draußen sind, aktiv werden und das Leben genießen, lädt uns der Herbst dazu ein, langsamer zu werden. Wir verbringen mehr Zeit drinnen, machen es uns gemütlich und suchen vielleicht wieder häufiger die Ruhe.
Samhain wird häufig als keltisches Fest zum Übergang in die dunkle Jahreszeit beschrieben. In den überlieferten Vorstellungen und späteren Bräuchen spielt auch die Erinnerung an die Verstorbenen eine Rolle. Die Vorstellung, dass an diesem Übergang die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders durchlässig sei, gehört zu den überlieferten spirituellen Deutungen dieses Festes.
Das heutige Halloween hat historische Verbindungen zu Samhain, ist aber auch durch weitere Traditionen und Entwicklungen geprägt.
Was ich an diesem Jahreszeitenwechsel besonders spannend finde, ist die Einladung, die darin steckt:
Nicht alles muss immer weitergehen. Nicht alles muss wachsen. Nicht alles muss bleiben.
Die Natur macht es uns vor. Sie hält nicht krampfhaft an jedem Blatt fest.
Sie lässt los.
Und vielleicht dürfen wir uns davon etwas abschauen.
Während draußen die Blätter fallen, machen wir einfach weiter
Kennst du das?
Du kommst abends endlich nach Hause. Der Tag war voll, die To-do-Liste lang und dein Kopf ist noch immer bei der Arbeit.
Du müsstest eigentlich noch einkaufen, die Wäsche wartet und für morgen gibt es auch schon wieder einiges zu organisieren.
Vielleicht bist du müde. Vielleicht bist du gereizt. Vielleicht wünschst du dir einfach nur, dass einmal niemand etwas von dir möchte.
Und trotzdem machst du weiter.
Du funktionierst, weil es eben sein muss. Du kümmerst dich um andere, hältst Termine ein und versuchst, alles unter einen Hut zu bekommen.
Aber wann hast du eigentlich das letzte Mal innegehalten und dich gefragt, wie es dir damit geht?
Nicht, ob du alles geschafft hast.
Nicht, ob alle anderen zufrieden sind.
Sondern, was in dir gerade los ist.
Viele Frauen sind so sehr daran gewöhnt, Verantwortung zu übernehmen, dass sie kaum noch bemerken, wie viel Kraft sie das kostet. Sie übergehen ihre Müdigkeit, ignorieren die Anspannung in ihren Schultern und verschieben ihre eigenen Bedürfnisse auf später.
Auf später, wenn es ruhiger wird.
Auf später, wenn die Kinder größer sind.
Auf später, wenn dieses Projekt abgeschlossen ist.
Nur: Irgendetwas ist immer.
Und während wir darauf warten, dass endlich der richtige Zeitpunkt kommt, vergessen wir manchmal, dass wir auch mitten im Leben einen Moment innehalten dürfen.
Genau deshalb mag ich den Gedanken hinter Samhain.
Er erinnert mich daran, dass Übergänge nicht nur etwas sind, das uns passiert. Wir können sie auch bewusst gestalten.
Was darf gehen? Eine Frage, die mehr verändert, als du denkst
Wenn wir von Loslassen sprechen, klingt das oft einfacher, als es ist.
Wir wissen vielleicht längst, dass uns etwas nicht guttut. Trotzdem halten wir daran fest.
An dem Anspruch, es allen recht zu machen.
An dem Gedanken, alles allein schaffen zu müssen.
An der Gewohnheit, die eigenen Bedürfnisse erst dann ernst zu nehmen, wenn wirklich nichts mehr geht.
An Aufgaben, die wir übernommen haben, obwohl unsere Kraft längst nicht mehr reicht.
Oder an dem Bild von uns selbst, das uns sagt, dass wir stark sein müssen und keine Schwäche zeigen dürfen.
Loslassen bedeutet dabei nicht, dass wir plötzlich alles hinschmeißen oder uns aus unserer Verantwortung verabschieden müssen.
Manchmal beginnt es viel kleiner.
Mit der Erkenntnis, dass wir nicht jede Aufgabe sofort erledigen müssen.
Mit einem Nein, das wir bisher nicht ausgesprochen haben.
Mit der Entscheidung, uns Unterstützung zu holen.
Oder mit der Erlaubnis, heute einmal nicht produktiv zu sein.
Und manchmal bedeutet Loslassen auch, anzuerkennen, dass etwas vorbei ist. Dass sich eine Lebensphase verändert hat. Dass wir nicht mehr dieselbe Frau sind wie vor fünf oder zehn Jahren.
Du musst nicht an allem festhalten, nur weil es lange zu deinem Leben gehört hat.
Vielleicht ist dieser Herbst eine Einladung, einmal ehrlich hinzuschauen: Was trägt dich noch – und was kostet dich inzwischen mehr Kraft, als du geben möchtest?
Dein Körper erlebt Übergänge mit
Für mich gehört zu dieser Frage noch etwas ganz Entscheidendes: unser Körper.
Denn Veränderungen erleben wir nicht nur in unseren Gedanken. Wir spüren sie oft auch körperlich.
Vielleicht bemerkst du, dass du bei bestimmten Aufgaben sofort die Schultern anspannst. Dass dein Atem flacher wird, wenn du an ein schwieriges Gespräch denkst. Oder dass dein Kiefer fest wird, sobald du wieder versuchst, alles gleichzeitig zu erledigen.
Vielleicht spürst du auch eine Müdigkeit, die du schon lange übergehst, weil du glaubst, gerade keine Zeit dafür zu haben.
Solche Wahrnehmungen können Hinweise darauf sein, wie du eine Situation erlebst. Sie liefern nicht automatisch eine eindeutige Erklärung für das, was in dir vorgeht. Aber sie können dir helfen, bewusster wahrzunehmen, was gerade da ist.
Genau hier beginnt meine Arbeit mit somatischem Yoga und Körperwahrnehmung.
Es geht nicht darum, noch eine Methode zu lernen, mit der du dich möglichst schnell wieder fit für den Alltag machst.
Es geht darum, überhaupt wieder mitzubekommen, was in dir passiert.
Was du spürst. Wann du dich anspannst. Wann du Ruhe brauchst. Und welche kleinen Veränderungen dir helfen können, achtsamer mit dir selbst umzugehen.
Du musst dafür nicht erst erschöpft sein. Und du musst auch nicht warten, bis dein Körper sich mit immer deutlicheren Beschwerden bemerkbar macht.
Du darfst dir schon vorher Aufmerksamkeit schenken.
Ein kleines Samhain-Ritual für dich
Du brauchst dafür weder einen Altar noch besondere Gegenstände oder eine perfekte spirituelle Routine.
Wenn du magst, zünde eine Kerze an. Setz dich für ein paar Minuten an einen ruhigen Ort und lass den Tag ein wenig hinter dir.
Spüre, wie du sitzt. Nimm wahr, wie dein Atem gerade fließt. Vielleicht bemerkst du Anspannung, vielleicht Müdigkeit, vielleicht auch gar nichts Besonderes.
Du musst nichts verändern und nichts erzwingen.
Wenn es sich für dich stimmig anfühlt, nimm dir anschließend ein Blatt Papier und beantworte diese drei Fragen:
1. Was möchte ich hinter mir lassen?
Vielleicht ist es ein Anspruch an dich selbst. Vielleicht eine Gewohnheit, die dir nicht mehr guttut. Oder einfach das Gefühl, ständig für alles verantwortlich zu sein.
2. Was möchte ich bewahren?
Welche Menschen, Werte, Erfahrungen oder kleinen Momente geben dir Kraft? Was soll auch durch die dunklere Jahreszeit hindurch einen Platz in deinem Leben haben?
3. Was brauche ich für den nächsten Abschnitt?
Mehr Ruhe? Klarere Grenzen? Unterstützung? Zeit für dich? Oder die Erlaubnis, nicht immer alles im Griff haben zu müssen?
Du musst aus deinen Antworten keinen Masterplan machen.
Vielleicht reicht es, sie aufzuschreiben und ein wenig auf dich wirken zu lassen.
Und wenn du möchtest, kannst du den Zettel mit dem beschriften, was du loslassen möchtest, später bewusst zerreißen. Nicht, weil damit automatisch alles erledigt wäre, sondern als kleines Zeichen für deine Bereitschaft, etwas zu verändern.
Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer großen Entscheidung.
Sondern damit, dass wir uns selbst endlich zuhören.
In der dunklen Jahreszeit darfst du es langsamer angehen lassen
Ich finde, wir müssen aus dem Herbst keine neue Aufgabe machen.
Du musst nicht jeden Tag meditieren, ein perfektes Abendritual etablieren oder plötzlich dein ganzes Leben umkrempeln.
Vielleicht möchtest du einfach öfter einen Spaziergang machen, ohne nebenbei etwas anzuhören.
Vielleicht lässt du das Handy abends ein wenig früher liegen.
Vielleicht bemerkst du, dass du gerade wieder die Zähne zusammenbeißt, und erlaubst deinem Kiefer, locker zu werden.
Oder du sitzt mit deinen Kindern am Tisch, schnitzt einen Kürbis und genießt den Moment, ohne gleichzeitig die nächsten drei Dinge zu planen.
Auch das ist Innehalten.
Es muss nicht immer tief, feierlich oder spirituell sein.
Manchmal liegt gerade im ganz normalen Alltag die Möglichkeit, wieder etwas mehr wahrzunehmen.
Und wenn du merkst, dass du schon lange erschöpft bist oder körperliche oder psychische Beschwerden hast, darfst du dir Unterstützung holen. Anhaltende oder ungeklärte Beschwerden gehören ärztlich abgeklärt; bei psychischer Belastung kann eine psychotherapeutische Begleitung sinnvoll sein. Körperwahrnehmung und somatisches Yoga können ergänzend unterstützen, ersetzen aber keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.
Möchtest du dir öfter solche Momente schenken?
Wenn dich der Gedanke anspricht, bewusster durch den Alltag zu gehen und wieder mehr auf deinen Körper zu hören, findest du auf meinem YouTube-Kanal Yoga, somatische Körperübungen und Meditationen, die dich dabei begleiten können.
Du brauchst dafür keine besondere Ausstattung und keine stundenlange Auszeit. Manchmal reichen schon ein paar Minuten, in denen du nicht funktionieren musst.
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Und wenn du solche Impulse gerne regelmäßig bekommen möchtest, lade ich dich herzlich in meinen Newsletter ein. Dort teile ich Gedanken, Übungen und Meditationen rund um Körperwahrnehmung, Entspannung und einen achtsameren Umgang mit dir selbst.
Vielleicht ist das genau der kleine Moment, den du dir im Alltag viel zu selten gönnst.
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Denn vielleicht geht es bei Samhain nicht nur darum, was wir verabschieden.
Vielleicht geht es auch darum, wieder Platz für das zu schaffen, was uns wirklich wichtig ist.
Was darf in diesem Herbst für dich gehen – und was möchtest du mit in die dunkle Jahreszeit nehmen?
Ich wünsche dir eine Herbstzeit mit Momenten, in denen du nicht nur für alle anderen da bist, sondern auch für dich selbst.
Deine Kathi
Wichtig: Körpersignale ernst nehmen heißt auch, sich Unterstützung zu holen
Körperliche Beschwerden können viele unterschiedliche Ursachen haben. Stress und Belastungen können eine Rolle spielen, aber nicht jedes Symptom lässt sich dadurch erklären. Deshalb ist es wichtig, anhaltende, wiederkehrende oder ungeklärte Beschwerden ärztlich abklären zu lassen. Wenn du psychisch stark belastet bist, kann auch die Unterstützung durch eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten sinnvoll sein.
Ich bin keine Ärztin und keine Psychotherapeutin. Ich stelle keine Diagnosen und behandle weder körperliche Erkrankungen noch psychische Störungen.
Meine Arbeit setzt an einer anderen Stelle an: Ich begleite Frauen dabei, ihren Körper bewusster wahrzunehmen, Körpersignale besser einzuordnen und im Alltag achtsamer mit den eigenen Bedürfnissen umzugehen.
Somatisches Yoga, Körperwahrnehmung, Atemübungen und Meditation können dabei unterstützende Möglichkeiten sein. Sie ersetzen jedoch keine medizinische oder psychotherapeutische Abklärung oder Behandlung.
Du musst dich nicht zwischen medizinischer Unterstützung und einem bewussteren Umgang mit deinem Körper entscheiden. Beides darf sich ergänzen – abgestimmt auf das, was du gerade brauchst, und in Absprache mit deinen behandelnden Fachpersonen.
